Sara Síth

Die Neue


Sara ging den langen Flur entlang. Selten wurde sie von ihren Mitschülern angerempelt. Es war gerade mal 7:30 Uhr und alle wollten zu ihren Klassenräumen. Sara ging wie immer mit leicht gesenktem Kopf, weil sie nicht auffallen wollte. Dadurch fiel sie umso mehr auf. Obwohl sie schon alle anstarrten, weil sie neu war und weil ihr gelocktes Haar nun wirklich sehr wirr war.

 

Jemand tippte ihr von hinten auf die Schulter. Erschrocken fuhr Sara herum und er-blickte ein Mädchen aus ihrer Klasse. Ihren Namen kannte Sara nicht. Sie ging erst seit einer Woche hier zur Schule und konnte sich kaum einen Namen ihrer neuen Klassenkameraden merken.

„Hi!“, sagte das andere Mädchen. Es hatte braune schulterlange Haare und lächelte Sara freundlich an.

 

„Hallo“, sagte Sara abweisend und verlegen. Kaum jemand aus ihrer Klasse hatte mehr mit ihr gesprochen als unbedingt notwendig. Und es war ihr peinlich, dass sie nicht den Namen des einzigen Mädchens kannte, das sie freundlich begrüßt hatte.

 

Das Mädchen schien dies bemerkt zu haben, aber es schien sie auch keineswegs zu stö-ren. „Ich bin Tina. Ich sitze vorn in der Mittelreihe.“

 

Dachte diese Tina, dass sich Sara an sie er-innerte, wenn sie wusste, wo sie saß?

 

Sara jedenfalls wollte sich nicht hier mit-ten auf dem Gang mit irgendeinem Mädchen aus ihrer neuen Klasse, dass sie nicht einmal kannte, unterhalten und ging deshalb einfach weiter zu ihrem Klassenzimmer.

 

Tina ließ nicht locker und ging ihr einfach weiter hinterher.

 

Der Klassenraum war schon mit Kindern gefüllt. Überall wuselten sie entlang, gingen zu ihren Plätzen oder tratschten.

 

Keines von ihnen kannte Sara. Sie hatte überhaupt kein gutes Gedächtnis, wenn es um Namen ging.

 

Mit einem Seufzer ließ sie sich auf ihren Platz fallen. Jedenfalls dachte sie, dass es ihr Platz war.

 

Ein Junge mit blond-grünlichen Locken und einem überheblichem Lächeln trat auf sie zu und sagte: „Warum sitzt du auf meinem Platz?“